Szeneninformationen
Charaktere: Caelan Lior Vaelis &
Azrael Vespera
Szeneneinstellung: private Szene & feste Postreihenfolge
Datum: 15.07.2026
Ort: Überall
Ich verstand nicht, was geschah. Eben noch hatte ich mich so klein wie möglich in die hinterste Ecke meines Käfigs gedrückt und darauf gewartet, dass mein Ende gekommen war. Mein Herz raste unaufhörlich und jede Faser meines Körpers schrie mich an, nicht näher zu kommen, als sich die Käfigtür plötzlich öffnete. Instinktiv zuckte ich zusammen und presste mich noch weiter gegen die Gitterstäbe. Ich hatte gelernt, dass eine geöffnete Käfigtür nie Freiheit bedeutete. Meist bedeutete sie nur neue Schmerzen. Als sich die Hand des Mannes langsam nach mir ausstreckte, hob ich zögerlich den Blick. Seine Stimme war ruhig. Anders als die der Männer des Ordens. Sie klang weder höhnisch noch voller Hass. Ich konnte nicht erklären, weshalb, doch obwohl mein Körper vor Angst zitterte, spürte ich nicht den Drang davonzulaufen. Vielleicht, weil ich ohnehin keine Kraft mehr dazu hatte. Vielleicht aber auch, weil in seiner Stimme etwas lag, das ich seit Monaten nicht mehr gehört hatte. Geduld. Vorsichtig kroch ich Zentimeter für Zentimeter aus meiner Ecke hervor. Meine Pfoten zitterten so sehr, dass ich mehr stolperte als lief. Als ich schließlich seine Hände erreichte, ließ ich mich widerstandslos hochheben. Ich war viel zu erschöpft, um mich zu wehren. Mein kleiner Körper fühlte sich federleicht an und dennoch schmerzte jede Bewegung. Als er mich auf seinen Schoß setzte, zog ich unbewusst meinen Schweif enger um mich und legte die Ohren an. Ich erwartete den ersten Schlag. Stattdessen spürte ich eine vorsichtige Berührung über meinem Rücken. Meine Augen wurden groß. Er... streichelte mich. Ganz sanft. So vorsichtig, als hätte er Angst, mir wehzutun. Ich wusste nicht mehr, wann mich zuletzt jemand ohne Gewalt berührt hatte. Meine Anspannung ließ für einen winzigen Augenblick nach und obwohl ich mich dagegen wehren wollte, schmiegte sich mein erschöpfter Körper beinahe von selbst gegen seine Hand. Ein leises, kaum hörbares Fiepen entwich meiner Kehle. Es war kein Schmerzenslaut. Eher etwas, das zwischen Erleichterung und Verwirrung lag. Gleichzeitig spürte ich die Präsenz der Schlange auf seinem Rücken. Mein Atem stockte erneut, als sie sich langsam löste und an seinem Arm hinabglitt. Ich beobachtete jede ihrer Bewegungen. Doch... sie sah mich gar nicht an. Ihre goldenen Augen ruhten ausschließlich auf den Männern des Ordens. Erst jetzt bemerkte ich, dass ihre Aura vollkommen anders war als zuvor. Vorhin hatte ich nur Hunger gespürt. Jetzt fühlte ich Wut. Kalte, uralte Wut, die sich gegen jene richtete, die mich hierhergebracht hatten. Ich verstand immer weniger. Als die Männer plötzlich wie von einer unsichtbaren Macht auf die Knie gezwungen wurden, zuckte ich erschrocken zusammen und drückte mich instinktiv näher an den Mann heran, auf dessen Schoß ich saß. Mein Blick wanderte immer wieder zwischen ihm und den Ordensmitgliedern hin und her. Nagael trat mit Verbandszeug zurück und als ich die Worte hörte, dass der Pfeil entfernt werden musste, begann mein kleiner Körper unkontrolliert zu zittern. Ich hatte Angst. Furchtbare Angst. Ich wollte kein Problem sein. Der Ruck kam plötzlich. Ein stechender Schmerz schoss durch meine Schulter und ich konnte das schrille Fiepen nicht unterdrücken, das meiner Kehle entwich. Reflexartig krallten sich meine kleinen Pfoten in den Stoff seiner Kleidung. Tränen schossen mir in die Augen und mein ganzer Körper bebte. Doch kaum war der Pfeil entfernt, spürte ich erneut seine Hand auf meinem Rücken. Langsame, ruhige Bewegungen. Seine Stimme erreichte mich wie durch einen Schleier und obwohl die Desinfektion auf der Wunde brannte, versuchte ich stillzuhalten. Als der Verband schließlich angelegt war, ließ ich erschöpft den Kopf sinken. Ich war müde. So unendlich müde ich hatte keien rkaft mich zu entwandeln. Seine Worte, ich sei tapfer gewesen, ließen meine Ohren leicht zucken. Tapfer. Dieses Wort hatte noch nie jemand zu mir gesagt. Ich blinzelte zu ihm auf, während sich einzelne Tränen in meinem Fell verloren.
...Danke..., flüsterte ich kaum hörbar. Es war alles, was ich im Moment sagen konnte. Dann erklangen plötzlich panische Stimmen hinter uns. Ich drehte vorsichtig den Kopf und sah, wie die goldene Schlange den ersten Mann biss. Schreie erfüllten den Raum. Die Männer, die mich monatelang gequält, geschlagen und wie ein Werkzeug behandelt hatten, konnten sich nicht einmal mehr bewegen. Ich hätte Erleichterung empfinden sollen. Vielleicht sogar Genugtuung. Doch stattdessen senkten sich meine Ohren traurig. Ich konnte den Blick nicht lange auf ihnen halten. Trotz allem wünschte ich niemandem einen solchen Tod. Langsam schmiegte ich meine Stirn gegen den Arm des Mannes, der mich gerettet hatte, und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Zum ersten Mal seit meiner Gefangennahme fühlte ich mich nicht wie ein Opfer. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass mir vielleicht niemand mehr wehtun würde.
"Er ist ein Celestia-Vulpin! Sein Herz gehört Euch. Genau dafür haben wir ihn gefangen wieso wollt ihr es nicht??.“
Lord Azrael... bitte... das muss ein Missverständnis sein.“ flehte der Älteste.
"Wir wollten Euch dienen! Die goldene Schlange hatte den ersten Mann gebissen.
"Nein!“, schrie einer der Ordensmitglieder panisch.
"Lord Azrael! Bitte! Wir haben Euch doch das Opfer gebracht!“ Ein anderer rang verzweifelt nach Luft.
"Habt... habt Erbarmen...“ Der Hohepriester sah die Schlange mit weit aufgerissenen Augen an.
Bitte... bitte verschont uns...“ Die Männer, die mich monatelang gequält, geschlagen und wie ein Werkzeug behandelt hatten, klangen plötzlich genauso verängstigt wie ich so oft gewesen war.