Hallo, Gast! Registrieren
Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Zwischen Nebelpfaden und Mondgärten
07-10-2026, 01:57 PM
Szeneninformationen
Charaktere: Kiren Yurei & Lunaria Selene & Caelis & Seraphine & Astraeon & Lumenaria & Kairas Echoveil & Elira Yena Amezaw & Aureon Draconis & Elysara Veyrathis
Szeneneinstellung: private Szene & feste Postreihenfolge
Datum: 24.07.2026
Triggerwarnung: FSK 25
Ort: Unterirdisches Gefängnis
Ich hatte kaum noch die Kraft, meinen Kopf zu heben, als plötzlich eine fremde Präsenz die Luft erfüllte. Sie war kalt, uralt und so schwer, dass selbst die Bannrunen für einen Augenblick zu erzittern schienen. Langsam hob ich den Blick und sah den Mann vor mir stehen. In seinen Augen lag nichts als Berechnung. Kein Mitgefühl, keine Wut, nicht einmal Freude. Er betrachtete mich wie einen wertvollen Gegenstand, den man nicht verlieren durfte. Als seine Finger mein Kinn anhoben, zwang ich mich, seinem Blick standzuhalten. Ich würde ihm nicht die Genugtuung schenken, Angst in meinen Augen zu sehen. Seine Worte ließen mein Herz schwer werden. Ich war für ihn kein Lebewesen. Nur ein Schlüssel. Eine Macht, die man erhalten musste, solange sie von Nutzen war. Dann geschah etwas, womit ich längst nicht mehr gerechnet hatte. Über mir glitten die schwarzen Schlangen den Jadeturm hinauf. Mit einem dumpfen Grollen öffnete sich ein schmaler Spalt und zum ersten Mal seit einer Ewigkeit fiel silbernes Mondlicht in meine Zelle. Ich schloss unwillkürlich die Augen. Der erste Strahl berührte meine Haut wie eine längst vergessene Umarmung. Er war schwach, viel zu schwach, um meine Kräfte vollständig zurückzubringen, doch er ließ die Kälte in meinem Körper langsam nach. Die silbernen Ranken, die sich wie feine Muster über meine Arme zogen, begannen wieder matt zu leuchten. Zwischen den Rissen des Bodens öffneten sich einige winzige Mondblüten und entfalteten zaghaft ihre Blätter, als hätten auch sie den Mond vermisst. Ich atmete tief ein. Zum ersten Mal seit unzähligen Jahren roch ich wieder den vertrauten Duft meiner Blüten. Eine einzelne Träne lief lautlos über meine Wange weil ich wusste, dass selbst dieses Licht nur dazu diente, mich länger leiden zu lassen. Kaum war der Mann verschwunden, wurde die Stille von einem Geräusch zerrissen, das mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Das Knallen der Runenpeitschen hallte durch die Gänge des Gefängnisses. Jeder einzelne Schlag ließ unsere Verbindung erzittern. Ich musste ihn nicht sehen, um zu wissen, was sie ihm antaten. Ich fühlte jeden Schmerz wie ein fernes Echo in meiner eigenen Seele. Meine Hände pressten sich gegen die Jadewand, als könnte ich sie mit bloßer Verzweiflung durchbrechen. Nein..., flüsterte ich mit brüchiger Stimme.Dann hörte ich seine Worte.
Er bat mich, meine Stimme nicht aufzugeben. Ich schloss die Augen und legte meine Stirn gegen den kalten Stein. Für einen kurzen Moment sammelte ich die winzigen Reste der Kraft, die das Mondlicht mir zurückgegeben hatte. Das silberne Leuchten der kleinen Mondblüten wurde etwas heller und ihre Blütenblätter lösten sich lautlos. Sie glitten durch die Luft, fanden ihren Weg in die uralte Verbindung zwischen uns und trugen meine Antwort.
Ich werde niemals schweigen, hauchte ich leise. Nicht solange mein Herz schlägt. Sie können meine Magie nehmen, sie können meine Freiheit rauben und meinen Körper brechen... aber meine Stimme gehört ihnen nicht.Ich atmete zitternd aus und spürte bereits, wie das wenige Mondlicht kaum ausreichte, um die aufkeimende Kraft zu erhalten. Dennoch hielt ich an diesem kleinen Funken fest.  Und du... gib deinen Willen nicht auf. Hörst du mich? Sie glauben, sie könnten uns voneinander trennen. Doch keine Kette dieser Welt reicht bis in die Erinnerungen. Dort werden sie uns niemals erreichen. Die Mondblüten um mich herum leuchteten für einen einzigen Augenblick etwas heller, bevor sie wieder in ihr sanftes silbernes Glimmen zurückfielen als auch bei mir die zelle erneut aufging. Die Männer kamen langsam auf mich zu. Diesmal lachten sie nicht. Ihre Gesichter waren ernst, fast erwartungsvoll. Einer von ihnen trug eine schwere silberne Schale, gefüllt mit schwarzer Tinte, die sich bewegte, als würde etwas Lebendiges darin atmen. Ein anderer hielt eine lange Nadel aus schwarzem Jade in den Händen, überzogen von glühenden Bannrunen.
Der Wille gehört dem Nebelwanderer“, murmelte einer. "Aber ihre Stimme... ihre Stimme gehört den Erinnerungen. Nehmt sie ihr, dann verstummt auch die Hoffnung.“ Sie rissen meine Arme auseinander und pressten mich gegen den kalten Stein. Die Ketten um meine Handgelenke spannten sich so fest, dass ich kaum noch Luft bekam. Ich versuchte mich zu wehren, doch meine Kräfte reichten längst nicht mehr aus. Die Nadel setzte an meiner Kehle an. Im selben Augenblick begannen die Runen auf ihr zu glühen. Ich biss die Zähne zusammen. Als die Spitze meine Haut durchdrang, fuhr ein brennender Schmerz durch meinen gesamten Körper. Es fühlte sich nicht an, als würden sie Fleisch verletzen. Sie griffen nach etwas viel Tieferem. Nach meiner Stimme selbst. Ich schrie. Doch mit jedem Laut, der meine Lippen verließ, lösten sich silberne Lichtfäden aus meinem Mund. Sie wurden von den Runen aufgesogen und in die schwarze Tinte gezogen. Die Schrift begann sich wie lebende Schlangen über meine Kehle auszubreiten. Jede Rune brannte sich tiefer in meine Haut und versiegelte einen weiteren Teil meiner Stimme.Meine Schreie wurden leiser, dann zu einem Flüstern. Schließlich öffnete ich nur noch den Mund. Kein Laut erklang mehr. Die Männer traten einen Schritt zurück und betrachteten zufrieden das silbern-schwarze Runensiegel, das sich wie ein Kranz aus Dornen um meinen Hals gelegt hatte. "Jetzt kann sie noch denken, aber niemals wieder sprechen.“
Ein anderer Wächter trat nach vorne und hielt eine kleine Schale aus schwarzem Jade unter mein Kinn. Darin schimmerte flüssiges Silber. "Nehmt ihr den Namen.“ Ich riss erschrocken die Augen auf. Sie begannen in einer uralten Sprache zu sprechen, deren Worte selbst die Mondblüten welken ließen. Mit jedem Satz spürte ich, wie etwas aus meinem Innersten gerissen wurde. Erinnerungen an meine Heimat. An den Mondgarten. An das erste Erblühen der Mondblüten.
Dann traf es den Kern meines Wesens. Lunaria, mein Name. Er löste sich aus meiner Seele wie silberner Nebel. Ich konnte ihn sehen. Konnte fühlen, wie er meinen Körper verließ und sich über der Schale sammelte. Die silbernen Buchstaben schimmerten einen Augenblick in der Luft, bevor sie in das flüssige Metall gezogen wurden.
In diesem Moment veränderte sich etwas.Ich wusste noch, wer ich war. Ich erinnerte mich an alles. Aber ich konnte meinen eigenen Namen nicht mehr denken. Jedes Mal, wenn ich versuchte, ihn zu greifen, blieb nur gähnende Leere zurück.
Der typ verschloss die Schale mit einem Deckel aus schwarzem Jade und verschwand lachend, ich selbst rutschte an der Wand hinunter, selbst das weinen hörte man nicht mehr außer ein leichtes wimmern.
Zitieren


Nachrichten in diesem Thema
RE: Zwischen Nebelpfaden und Mondgärten - von Lunaria Selene - 07-10-2026, 01:57 PM

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste